BGH: Keine Funkzellenabfrage bei Diebstahl |

Keine Funkzellenabfragen bei einfachen Diebstählen mehr

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat eine bedeutende Entscheidung getroffen, die die Nutzung von Funkzellenabfragen durch die Strafverfolgungsbehörden stark einschränkt. Im Beschluss vom 10. Januar 2024 (Az.: 2 StR 171/23) stellte der BGH klar, dass Funkzellenabfragen unter § 100g StPO fallen und bei Diebstählen nicht mehr zulässig sind (Verwertungsverbot).

Hintergrund der Entscheidung

In dem zugrunde liegenden Fall hatte das Landgericht Frankfurt am Main einen Angeklagten unter anderem wegen Diebstahls mit Waffen verurteilt. Ein wesentliches Beweismittel in diesem Verfahren war die Auswertung von Verkehrsdaten, die durch eine Funkzellenabfrage nach § 100g Abs. 3 Satz 1 StPO erhoben wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte diese Maßnahme beantragt, und der Ermittlungsrichter hatte sie angeordnet.

Was ist eine Funkzellenabfrage?

Eine Funkzellenabfrage ist ein Ermittlungsinstrument, bei dem die Polizei von Mobilfunkanbietern die Verbindungsdaten aller Mobiltelefone anfordert, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Funkzelle aktiv waren. Diese Daten beinhalten keine Inhalte von Gesprächen oder Nachrichten, sondern Metadaten wie Rufnummern und Verbindungszeiten.

Entscheidung des BGH

Der Angeklagte legte Revision ein und argumentierte, dass die Anordnung der Funkzellenabfrage rechtswidrig war. Der BGH gab der Revision statt und hob das Urteil in den Punkten auf, die auf den Daten der Funkzellenabfrage basierten. Der BGH stellte fest, dass eine Funkzellenabfrage nur dann zulässig ist, wenn der Verdacht einer besonders schweren Straftat nach § 100g Abs. 2 StPO besteht. Der Diebstahl, selbst in einem besonders schweren Fall nach § 243 StGB, gehört nicht zu diesen Straftaten.

Der BGH argumentierte, dass § 100g Abs. 1 Satz 3 StPO ausdrücklich auf den Katalog in § 100g Abs. 2 StPO verweist. Dieser Katalog umfasst schwerwiegende Straftaten wie Hochverrat, Mord und die Verbreitung von Kinderpornographie. Da Diebstahl nicht in diesem Katalog enthalten ist, war die Anordnung der Funkzellenabfrage rechtswidrig.

Verfassungsrechtliche Implikationen

Der BGH betonte die verfassungsrechtlichen Implikationen dieser Entscheidung. Die Funkzellenabfrage greift tief in die grundrechtlich geschützte Telekommunikation ein. Daher müssen solche Maßnahmen streng reguliert werden, um die Grundrechte der Bürger zu schützen. Bei rechtswidrig erlangten Funkzellendaten besteht daher auch im Rahmen der sog. Abwägungslehre nicht nur ein Beweiserhebungs-, sondern auch ein Beweisverwertungsverbot.

Auswirkungen der Entscheidung

Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Praxis der Ermittlungsbehörden. Künftig müssen die Strafverfolgungsbehörden sicherstellen, dass der Verdacht einer Katalogtat nach § 100g Abs. 2 StPO vorliegt, bevor sie eine Funkzellenabfrage anordnen. Andernfalls sind die gewonnenen Beweismittel unverwertbar. Diese Klarstellung des BGH stärkt den Grundrechtsschutz im Strafverfahren und setzt dem Einsatz invasiver Telekommunikations-Ermittlungsmaßnahmen klare Grenzen.

Fazit

Die Entscheidung des BGH im Beschluss vom 10. Januar 2024 (Az.: 2 StR 171/23) verdeutlicht die strengen Anforderungen an die Anordnung von Funkzellenabfragen. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Schutz der Grundrechte der Bürger und zur Sicherstellung eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens.

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    Die Kanzlei van Eckert mit Sitz in Dresden verteidigt bundesweit in zahlreichen Fällen, in denen Telekommunikationsdaten rechtswidrig erlangt wurden. Die Verteidigung in derartigen Fällen setzt neben strafrechtlicher Expertise auch fundierte Kenntnisse im Bereich IT und Telekommunikation voraus. Stets gilt es dabei, die erhobenen Beweise äußerst kritisch zu hinterfragen und Verwertungsverbote nicht nur anzusprechen, sondern durchzusetzen. Ein Strafverfahren hat vielfach desaströse Auswirkungen für die Beschuldigten (vgl. hier zu den sogenannten “Abholer-Fällen” beim Betrug). Dazu kommen immer häufiger außerstrafrechtliche Nebenfolgen, wie bereits an anderer Stelle dargestellt). 

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